Julian (oder: Einer, der auszog, weil es anders nicht ging)

Kapitel 11

»Stadtmusikanten?«, erkundigte sich Julian verwirrt und ein Hahn flog auf den Tisch in der Mitte des Raumes.

»Natürlich. Oder meinst du etwas, wir würden das nicht stemmen können?«, fragte der Hahn und sah Julian herausfordernd an.

»Nein. Nein, das ist es nicht«, beteuerte der junge Mann, denn höflich wie er war, wollte er niemandem zu nahe treten, »ich habe nur noch nie von drei Stadtmusikanten wie euch gehört. Da wundert es mich nur, wie ihr auf diese Idee kommt. Das ist alles.«

»Zum Einen sind wir zu viert«, meldete sich eine müde klingendes Stimme zu Wort und Hufe klappernd kam ein Esel zur Tür herein, »und um deine Frage zu beantworten, es war meine Idee. Hast du Einwände?«

»Überhaupt keine«, antwortete Julian aufrichtig.

»Naja«, mischte sich nun Ilse ein und Julian zuckte leicht zusammen, »um ehrlich zu sein, zweifle ich schon daran, dass euch das gelingen wird.«

Alle vier Tiere machten einen Schritt auf Julian zu, dem der Schweiß auf die Stirn trat.

»Wie meinen?«, knurrte der Hund und zeigte seine Zähne.

»Stadtmusikanten spielen für Menschen auf. Aber in den Ohren der Menschen wird sich eure Musik nicht sonderlich gut anhören«, erklärte Ilse und der Esel trat einen weiteren Schritt auf den jungen Mann zu.

»Und woher will dieser sprechende Schädel das wissen?«, wollte er erfahren.

»Sie war mal ein Mensch. Jetzt ist sie nur noch das hier«, erwiderte Julian und hob Ilse in die Höhe.

»Irgendwie eklig«, befand der Hund schnuppernd und erhielt bestätigende Laute seiner Kumpanen.

»Das wärst du sicherlich auch, wenn du nur noch ein Kopf wärst«, versetzte Ilse beleidigt und schnalzte mit der Zunge.

»So eklig bestimmt nicht«, wehrte der Hund ab, lief unter den Tisch und rollte sich zusammen, »und ich bin müde. Weckt mich, wenn es etwas gibt.«

Kaum hatte er ausgesprochen, da senkte sich sein großer Kopf auf die Vorderbeine und er schlief ein.

»Beneidenswert, wenn man immer und überall schlafen kann«, seufzte der Hahn und plusterte sein Gefieder.

»Vielleicht probiert ihr es mit einem Schlaflied?«, empfahl Julian und sah die Tiere der Reihe nach an, »wenn das gut klappt, könnt ihr vielleicht aufgebrachte Tiere auf irgendwelche Höfen besänftigen. Ich könnte mir vorstellen, dass das eine gut bezahlte Arbeit wäre.«

Esel, Hahn und Katze verstummten und sahen sich an. Der Glanz der Erkenntnis strahlte in den Augen des Hahns, als er zu einem lauten Krähen ansetzte.

»Das ist es«, rief er und schlug mir den Flügeln, dass der Staub in Wölkchen durch das Zimmer schwebte, »das werden wir tun.«

»Schön und gut, aber zuerst müssen wir schauen, ob das mit den Schlafliedern auch klappt«, befand die Katze und leckte ihre Pfoten.

»Nun vielleicht probiert ihr es damit, das hat mir meine Großmutter immer vorgesungen, wenn ich krank im Bett lag«, sagte Julian und sang eine wunderschöne Weise.

Die Melodie legte sich auf den Raum und sofort wurden die Tiere schläfrig. Auch Ilse ließ ein herzhaftes Gähnen hören. Die Augenlider der Musikanten wurden schwer und schwerer und einer nach dem anderen fiel in tiefen Schlaf.

»Sie sind eingeschlafen«, flüsterte Julian dem Frauenkopf zu, doch auch Ilse war eingeschlummert und schnarchte leicht.

So leise es ihm auf den knarrenden Dielenbrettern möglich war, schlich sich Julian nach draußen. Sachte zog er die Türe zu und entfernte sich ein paar Schritte, ehe er Ilse leicht schüttelte und ihren Namen raunte.

»Was ist?«, schmatze der Kopf und sah sich verwirrt um, »wo bin ich, was ist passiert?«

»Nicht so laut«, flehte der junge Mann den Frauenschädel an und blickte sich rasch nach dem Häuschen um, »bitte. Sie sind alle eingeschlafen. Du auch, im Übrigen. Und das soll gerne auch so bleiben. Sag mir bitte, welches das Kraut ist, damit wir so schnell wie möglich hier weg kommen.«

»Eingeschlafen? Naja, irgendwie hast du schon ein einschläferndes Wesen, Junge«, erwiderte Ilse und gab einen schmatzenden Laut von sich, »ist gut, heb mich hoch, damit ich die Pflanze aufspüren kann.«

Ihre Nasenflügel bebten, als sie sich voll und ganz auf die Suche konzentrierte. Julian sah ihr mit leichtem Ekel zu. Er konnte den Geruch, der sich hier ausbreitete kaum ertragen.

»Das da ist es«, rief Ilse schließlich und lächelte triumphierend.

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