Tag 313

Abend:
Ich war heute bei den Wächtern eingeteilt. Ein schweigsamer Kerl namens Georgios sollte mir alles zeigen und mich prüfen. Er hat ganz schön viele Narben, ignoriert Fragen zu seiner Vergangenheit aber generell.
Heute habe ich selbst dabei geholfen einen von den Faulen zu verhaften.
Die Faulen - so werden die Leute genannt, die sich nicht einbringen wollen und somit als Ausschuss angesehen werden. Sie bedrohen die Ordnung und müssen gehen, hat mir Georgios erklärt. OK, das verstehe ich. Aber ich sollte den Faulen mit Georgios und zwei weiteren Wachleuten zum Herrenhaus bringen und wollte wissen, weshalb wir ihn nicht gleich zum Tor schaffen. Das wäre die Entscheidung vom Chef, war die einzige Antwort, die ich erhielt.
Als ich weiter nachforschen wollte sagte Georgios zu mir, dass es nicht gut wäre, wenn man zu viele Fragen stellt. Vor allem, wenn man mit der gleichen Frage immer und immer wieder nervt. Ich solle mich mit der Antwort zufrieden geben, oder ich könnte mich selbst rauswerfen.
Mit Kritikern und Freidenkern haben sie es hier scheinbar nicht so.
Ich glaube, ich habe den Faulen vorgestern gesehen. Wenn mich nicht alles täuscht, dann war er mit den anderen Wächtern auf Patrouille gewesen. Aber auch diese Frage wurde mir nicht beantwortet. Georgios hat mich lediglich mit einem Blick bedacht, der wohl so viel heißen sollte, wie „Hör endlich auf Fragen zu stellen, man.“
Wenn er doch nur etwas gesprächiger wäre. Aber ich kann auch verstehen, dass ich als Neuling nicht gerade alle Internas auf einem Silbertablett präsentiert bekomme. Ich würde das wohl auch nicht anders machen.
Beim Abendessen habe ich Melanie und Aaron wiedergetroffen. Ich mag die beiden. Es ist angenehm mit ihnen zu sprechen. Nur konnten sie mir leider auch keine Informationen zu dem mir eigenartig erscheinenden Umgang mit den Faulen geben. Melanie meinte, dass jeder nur so viel wüsste, wie er benötige. Da sie, und auch Aaron, die Siedlung nach außen repräsentieren würden, wüssten sie wenig über die Dinge, die im Inneren ablaufen. Achselzuckend fügte sie hinzu, dass es so besser wäre, da sie sich voll und ganz auf ihre Aufgabe als Anwerberin konzentrieren könnte.
Anwerberin... Das Wort klingt irgendwie komisch, erklärt aber auch, weshalb sie so offen und nett ist. Schließlich soll sie potenzielle Neusiedler ansprechen und nach möglichkeit in die Siedlung bringen.

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