Tag 312
Mittag:
Einfach toll bei diesen Leuten zu sein. Ich kann nur staunen, mit welcher Freude sie ihrer Arbeit nachgehen, obwohl sie hinter anderen her putzen. Zwar ist das nicht unbedingt das, was ich mir als dauerhafte Beschäftigung vorstellen kann, aber es wäre allemal besser, als wieder raus zu müssen. Auf Wanderschaft.
...Wanderschaft...
Ein komisches Wort für die Scheiße, die da draußen passiert. Es klingt so sehr nach Wochenendausflug mit der Familie, dabei ist man jeden Tag zu jeder Zeit lebensbedrohlichen Gefahren ausgesetzt.
Egal, heute hänge ich mich richtig rein. Sie sollen sehen, dass ich es ernst meine.
Abend:
Ein weiterer Tag, der aufgrund der Arbeit und der Eindrücke unheimlich schnell vorbeigegangen ist. Die Putzerei war wider Erwarten erfüllend und hat mir tatsächlich Spaß gemacht.
Am späten Nachmittag konnte ich sehen, wie ein Typ von drei Wächtern fortgebracht wurde. Mir lief es eiskalt den Rücken runter und ich fragte Ines, die Frau, mit der ich zur Arbeit eingeteilt war, was da los ist.
Sie sagte, das wäre nicht unüblich. Manche Neuzugänge würden sich nicht richtig einbringen. Und wenn sie gehen sollen, dann weigern sie sich. Das Wachpersonal würde sie dann rauswerfen. Da konnte ich gerade wieder spüren, wie eine Gänsehaut über meinen Körper lief, weil es mir genauso ergehen könnte.
Seltsamerweise wurde der Typ aber nicht zum Haupttor gebracht. Sie haben ihn zu dem Gebäude geschleppt, in dem der Siedlungschef wohnt und einige Geschäftsräume untergebracht sind. Auf meine Nachfrage hin zuckte Ines nur mit den Schultern und sagte, die hätten wohl noch was mit dem Typen zu besprechen. Sie würde das nicht hinterfragen.
Das ging mir den Rest des Tages nicht mehr aus dem Kopf.
Keine Ahnung, was sie mit dem armen Schwein gemacht haben, aber ich habe ihn jedenfalls nicht mehr gesehen. Sicher wurde er nach draußen vor das Tor gebracht, als ich es nicht mitbekommen habe.
Aber dennoch bleibt ein gewisses Unbehagen, das wahrscheinlich davon her rührt, dass ich Angst habe. Angst, diesen Leuten nicht zu genügen.
Ich glaube, ich muss Mal nachfragen, was von mir erwartet wird. Was genau ich tun muss, um bleiben zu dürfen.
