Tag 308
Abend:
Ich lag die ganze Nacht und den ganzen Tag auf der Lauer. Nichts.
Nicht nur, dass ich nichts Negatives feststellen konnte, ich konnte auch einige Szenen beobachten, die mich in meiner Entscheidung, der Siedlung einen Besuch abzustatten, bestärkt haben.
Da wäre das Anwesen. Das ist eine Wucht. Einige Mauern sind tatsächlich verschont geblieben und bieten so eine geschützte Zone, ohne bedrohlich zu wirken. Die Mauer um das großzügige Grundstück wurde geflickt und wiederhergestellt. Der Zugang lässt sich mit Rollgittern versperren und kann von der Mauer aus unterschiedlichen Höhen verteidigt werden. Blöd sind sie schon Mal nicht. Alles an dem Gebäude erinnert mich an eine Universität, ein Internat oder vielleicht ein Kloster.
Der respektvolle Umgang miteinander ist einfach der Wahnsinn. In dieser kaputten Welt, in der jeder an sich und seinen Vorteil denkt, in der es dauernd ums nackte Überleben geht, ist man einen solchen Umgang nicht mehr gewohnt.
Dann kamen heute auch schon andere Wanderer an. Sie wurden schon am Tor mit einer Umarmung begrüßt, scheinbar freuen sich die Leute wirklich über Besuch.
Das ganze wirkt unheimlich einladend und ich habe beschlossen, mir das aus der Nähe anzusehen.
Ich wünsche mir so sehr, dass das hier klappt und gut wird. Ein Zufluchtsort, an dem ich mich ausruhen kann, bevor ich wieder in die unwirtlichen Weiten der Welt ziehen muss. Oder vielleicht kann ich dort sogar sesshaft werden und von vorne anfangen. Wer weiß schon, wohin uns unsere Schritte führen?
Ich weiß, wohin mich meine führen werden. An das Tor der Siedlung. Ich werde hin gehen und um Einlass bitten. Und wenn alles gut wird, dann werde ich bald ein nettes kleines Zimmer in diesem mondänen Haus bewohnen.
