Achter Dezember

»Ohje, entschuldige«, antwortete Leo und trat zur Seite, »komm doch herein. Babette kennst du sicher schon?«

Er wunderte sich noch darüber, dass es begann sich wie selbstverständlich anzufühlen, ein kleines Bäumchen herein zu bitten und sich mit ihm zu unterhalten. Da fiel ihm ein, dass er keine Beine unter der Tanne gesehen hatte und drehte sich wieder zur Türe um.

»Soll ich dir vielleicht helfen?«, fragte er und verstummte.

Jonatann war verschwunden. Leo schaute nochmals auf dem Flur nach, doch von dem Tännchen mit dem großen Stern fehlte jede Spur.

»Hm«, machte Leo nur und kehrte in seine Wohnung zurück.

Da stand Jonatann auf seinem Tisch und winkte ihm mit einem Ast freudig zu.

»Komm und setzt dich. Wir haben eine Menge zu besprechen, wenn mich nicht alles täuscht«, rief er ihm zu und klang hoch motiviert.

»Ah oui, l'Amour«, gurrte Babette zur Bestätigung.

Leo atmete ein Mal tief durch, rieb sich die Augen und blinzelte die beiden kleinen Gestalten an. Als sie nicht wie Trugbilder verschwanden, beschloss er, sich darauf einzulassen.

»Kann ja ganz interessant und witzig werden«, murmelte er, zuckte mit den Schultern und gesellte sich zu Jonatann an den Tisch.

Babette kam von der Lampe herüber geflattert und gesellte sich zu dem Bäumchen.

»Also gut«, begann Jonatann sogleich, »was wissen wir? Womit können wir arbeiten?«

»Was meinst du?«, wollte Leo wissen.

»Naja, ihr Name, oder eine Personenbeschreibung wären zum Beispiel ganz nützlich«, erklärte das Bäumchen und schob sich den Stern aus dem Gesicht.

Dieser fiel direkt wieder in Jonatanns Sichtfeld und Leo musste schmunzeln.

»Oder eine Adresse?«, beteiligte sich Babette an den Ausführungen und erhielt eine zustimmende Geste des Tännchens.

»Von wem?«, hakte Leo nach, denn er begriff noch immer nicht.

»Von dem Engel, dem du begegnet bist. Zumindest hast du sie Sven gegenüber so beschrieben«, gab Jonatann zur Antwort und Babette gurrte bestätigend.

»Okay, deswegen seid ihr hier?«, Leo wurde ganz aufgeregt.

War es möglich, dass diese seltsamen Gestalten zu ihm geschickt wurden, nur um seinen Fehler auszubessern? Er war nicht in der Lage, richtig zu reagieren und nun sollte er eine zweite Chance bekommen? Nervös rieb er die Hände über die Oberschenkel und richtete sich auf.

»Alles klar. Also«, begann er und brach dann ab, denn er musste erst einmal überlegen, »naja, also. Unter der Adresse, wo wir uns begegnet sind, ist sie scheinbar unbekannt. Und ihren Namen kenne ich nicht.«

»Das ist ein bisschen dürftig«, befand Jonatann und kratzte sich mit einem Zapfen am Kopf.

»Tut mir leid, ich weiß nur noch, dass sie blonde Haare hatte, ein schmales Gesicht, große Augen und volle Lippen«, gab Leo kleinlaut bei.

»War sie 'übsch?«, fragte Babette und legte den Kopf schräg.

»Oh ja, das war sie«, entgegnete Leo und lächelte niedergeschlagen.

Mit diesen dürftigen Angaben würde niemand seine Traumfrau finden. Das wurde ihm in diesem Moment schmerzlich klar.

»Na, das ist doch schon Mal was, oder?«, rief Jonatann freudig aus und ließ zwei Äste zusammenschlagen, als würde er in die Hände klatschen.

Ein raschelndes Geräusch entstand, doch seinem freudigen Ausdruck tat das keinen Abbruch.

»Dann macht sich unsere liebe Babette hier auf die Suche, sie ist spitze in sowas«, kommandierte das Bäumchen, »und ich helfe dir eine Strategie auszuarbeiten, wir du das Herz deiner Angebeteten im Sturm eroberst!«

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