Fünfter Dezember

»Halli hallo, wen haben wir denn hier?«, rief der ältere Mann, der die Türe geöffnet hatte.

Er war etwa einen Kopf kleiner als Leo und seine Augen strahlten die reine Freude aus.

»Ähm, Leo«, erwiderte Leo, den die Begrüßung durcheinander gebracht hatte, »also, ich habe hier eine Zustellung für Sven Julenissen.«

»Das ist ja interessant. Ein Paket für Sven Julenissen in der Hand und einen Sven Julenissen vor der Nase. Wenn das Mal nicht Schicksal ist«, entgegnete der freundliche Mann und lachte schallend über seinen eigenen Scherz, »tut mir leid, mein Lieber. Ich komme nicht von hier und bin mit den Umgangsformen nicht ganz vertraut. Ich wirke doch nicht etwa verrückt auf dich, oder?«

»Nein, nein. Ich war nur etwas überrascht. So wird man hier selten begrüßt«, beeilte sich Leo zu sagen.

»Was an sich schade ist. Eigentlich sollten die Menschen doch fröhlich, nett und offen miteinander umgehen, oder?«, befand er und reichte Leo die Hand, »ich bin Sven. Freut mich, dich kennenzulernen. Gerade bin ich mit backen beschäftigt. Ich habe meine Enkelkinder bei mir. Wenn du möchtest, komm doch herein, wärme dich auf und trink eine heiße Schokolade. In zehn Minuten ist das erste Blech fertig.«

Als er Leos verwundertes Zögern bemerkte, zwinkerte er Leo zu, und die Anspannung schien wie von Zauberhand von dem Paketboten zu fallen.

»Es lohnt sich«, raunte Sven ihm zu, lief ins Haus und ließ die Tür offen stehen.

Zögernd trat Leo ein. Das Haus schien aus einem einzigen Raum zu bestehen, der Küche. Sven stand lachend da und sah zwei mehlbestäubten Kindern dabei zu, wie sie Teig naschten.

»Na na, ihr Süßmäuler, lässt noch ein bisschen Teig zum Backen übrig«, rief er mit gespieltem Tadel und die Kinder nagten sich genussvoll die Teigreste von den Fingern.

Dabei schauten sie zumindest ein klein wenig so, als würden sie sich schämen. Aber es war auf einen Blick klar, dass dies ein liebevoller Haushalt war und Leo fühlte sich gleich wohl.

»Kinder, begrüßt bitte Leo«, sagte er und blickte den jungen Mann entschuldigend an, »sie sind nicht immer so schmutzig, manchmal erkennt man sogar ihre Gesichter.«

»Hallo Leo«, grinsten die beiden, die offensichtlich Zwillinge waren.

»Hey«, erwiderte er und winkte zaghaft.

»Das sind Anders und Nora«, stellte Sven seine Enkel vor, »und dort steht deine Schokolade.«

Leo wunderte sich, warum eine heiße Schokolade auf ihn wartete, aber wahrscheinlich verzichtete Sven in diesem Moment zu seinen Gunsten. Da Leo nicht unhöflich sein wollte und ihn die Stimmung in diesem Haus faszinierte, nahm er dankend an. Ein unterhaltsamer Abend entfaltete sich und Leo merkte überhaupt nicht, wie die Zeit verging. Sie unterhielten sich, als würden sie sich schon ewig kennen und Leo half beim Backen, so gut er es vermochte. Die Zwillinge waren leidlich zufrieden mit ihm, aber nach ein paar korrigierenden Handgriffen befanden sie auch seine Kekse als vorzeigbar.

»Was bedrückt dich Leo?«, fragte Sven nach einiger Zeit.

Obwohl sie sich noch nicht lange kannten, erzählte Leo ihm von seiner Begegnung mit der blonden Schönheit und klagte sein Leid. Sven verfiel wieder in sein markantes Lachen, wurde dann plötzlich ernst und lehnte sich nahe zu Leo hinüber. Ein fröhliches Lächeln umspielte seine Augen und die Lachfalten ließen ihn noch um einiges freundlicher wirken, als er mit brummender Stimme antwortete.

»Da können wir dir vielleicht helfen.«

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