Dreiundzwanzigster Dezember

Für einen kurzen Moment stockte Leo der Atem. Er konnte sich nicht erklären weshalb, er fühlte sich, als würde eine unheimliche Schwere von ihm genommen. Plötzlich konnte er wieder besser atmen und klarer denken. Es war ein wundervolles Gefühl, so als wäre er von neuer Energie durchströmt.

»Deine Absicht und dein Handeln haben meine beiden treuen Freunde dazu veranlasst ein gutes Wort bei mir einzulegen. Nur, dass du das weißt, für gewöhnlich lasse ich mich nicht erweichen. Ein Herzenswunsch pro Person sollte doch genügen, oder nicht?«, erklärte der ältere Mann und schmunzelte mit geröteten Wangen und funkelndem Blick, »aber nach dem zu urteilen, wie ich dich kennen gelernt habe und was mir über die vergangenen Tage berichtet wurde, würde ich sagen, dass wir es bei dir mit einem ganz außergewöhnlichen Menschen zu tun haben. Deshalb gewähre ich dir gleich zwei große Wünsche. Du sollst die Möglichkeit bekommen das Herz deiner Traumfrau zu erobern und trotzdem sollst du deine Freundschaft zu Babette und Jonatann nicht verlieren.«

Leo starrte den Älteren an. Unglaube mischte sich mit Verständnislosigkeit und Verwirrung.

»Was meinst du?«, fragte er gedehnt, »wie willst du mir Wünsche gewähren? Was hat das alles zu bedeuten?«

»Du bist weder verrückt, noch träumst du oder liegst im Koma. Es ist alles gut«, fuhr Sven fort und lächelte ihn milde an, »mit wem denkst du, dass du es zu tun hast? Wer bin ich deiner Meinung nach?«

Leo überlegt sich seine Antwort gut, dennoch kam er sich komisch vor, als er sie aussprach.

»Du bist Sven. Sven Julenissen. Oder täusche ich mich?«, fragte er zaghaft.

»Nein, du täuschst dich nicht. Das bin ich. Und doch kennst du mich auch unter anderen Namen«, das Grinsen auf Svens Zügen wurde breiter und wirkte ungemein ansteckend, »kannst du dir vorstellen, welche meine vielen Namen sind?«

Leo wagte nicht zu antworten. Die Möglichkeiten, die ihm in den Sinn kamen, waren zu absurd, zu abgedreht. Er schüttelte nur leicht den Kopf und starrte Sven an.

»Na komm schon. Einer wird dir einfallen, oder? Wie hast du mich denn als Kind genannt?«, ermunterte Sven den jungen Mann zu antworten, aber Leo fühlte sich nicht in der Lage.

»Los Leo. Sag seinen Namen. Du wirst sehen, das hilft. Du fühlst dich dann wieder frei und entspannt«, rief Jonatann dazwischen und grinste ihm ebenso aufmunternd zu, wie Sven.

»Aber ihr dürft nicht lachen. Versprochen?«, begann Leo und blickte sich unsicher im Raum um.

Erst, nachdem alle ihr Einverständnis gegeben hatten, traute er sich, weiter zu sprechen.

»Also, vielleicht. Na, ihr wisst schon«, murmelte er und nuschelte abschließend, »der Weihnachtsmann?«

Statt des erwarteten Spotts oder einem Gefühl der Scham, spürte Leo erneut eine große Last von sich anfallen. Er lächelte, denn nun hatte er einen der Namen ausgesprochen und es fühlte sich einfach nur richtig an.

»Ganz genau«, antwortete Sven, »man gab mir schon viele Namen und das ist einer davon. Julenissen nennen sie mich in Norwegen. Dieser Name gefiel mir so gut, dass ich ihn einfach nicht mehr abgelegt habe. Doch wie gesagt, ich habe nicht viel Zeit. Darum gehen wir direkt einen Schritt weiter und erfüllen dir deinen zweitgrößten Wunsch.«

Sven strich sich an der Nase entlang und ein Klingeln, wie von kleinen Glöckchen ertönte.

»Das wäre geschafft. Deinem größten Wunsch, müsst ihr euch nun wieder selbst annehmen. Bei der Entfaltung der Liebe bin ich machtlos. Jetzt liegt es an dir.«

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