Siebzehnter Dezember

»Das sind aber mächtig viele Rezepte«, staunte Jonatann, als er Leos Sammlung sah.

»Ich backe und koche sehr gerne. Und meistens schmecken die Dinge auch ganz gut, die ich so mache«, erwiderte der junge Mann schüchtern.

»Kann es ein, dass du gerne an dir und deinen Fähigkeiten zweifelst?«, wollte das Bäumchen wissen und Leo wiegte den Kopf hin und her.

»Ja, vielleicht ein bisschen. Warum? Ist denn Bescheidenheit schlimm?«, gab er zurück.

»Das nicht. Aber wenn du niemandem mitteilst, dass du backen und kochen kannst, oder dass du ein super netter Kerl bist, wie sollen die anderen dann erfahren, was sie verpassen, wenn sie dich nicht besser kennen lernen?«, fragte Jonatann und stand so plötzlich neben Leo an der Arbeitsfläche in der Küche, dass dieser erschrocken zuckte.

»Gute Frage. Das weiß ich leider auch nicht. Würden sie das denn?«, erwiderte Leo und das Bäumchen nickte so heftig mit dem Kopf, dass Leo Angst um den Stern an dessen Spitze bekam.

»Klar. Wenn die nicht ein total liebenswerter Kerl wärst, würden wir dir dann helfen? Das machen wir nur bei ganz besonderen Menschen«, erklärte er und wirkte dabei feierlich und absolut von seinen Worten überzeugt.

»Danke, das ist lieb von dir«, sagte Leo schlicht und fing an die unterschiedlichen Utensilien und Zutaten für ihre Backstunde zusammen zu suchen.

»Man Leo. Hör doch auf«, seufzte Jonatann, »du machst mich fertig. Und dich sowieso schon seit ewiger Zeit. Stehe zu dir selbst und traue dich zu sagen, was dich ausmacht. Das ist wirklich wichtig.«

»Aber was, wenn andere sich dann über mich lustig machen?«, fragte Leo und zuckte mit den Achseln.

»Ja, was ist dann?«, gab Jonatann die Frage zurück.

»Naja, das tut doch weh, oder?«, betonte Leo das Offensichtliche.

»Nein«

»Nein?«

»Nein«, sagte Jonatann und führte seine Aussage nach einer kurzen Pause genauer aus, »es tut nur weh, wenn es sich um Personen handelt, die dir etwas bedeuten. Bei allen anderen kann es dir doch egal sein, was sie von dir halten, richtig?«

»Das schon, aber auch die Menschen, deren Meinung mir wichtig ist, können mich auslachen, oder mich mit den Dingen aufziehen«, erwiderte Leo und seufzte leise.

»Dann musst du dir überlegen, welche Leute dir wichtig sind. Das hast doch du alleine in der Hand«, erklärte Jonatann, als wäre es das einfachste der Welt.

»Nehmen wir zum Beispiel meine Eltern. Die finden ganz oft die Dinge, die ich tue blöd, oder können sie nicht verstehen. Dann lassen sie immer abfällige Bemerkungen fallen oder sagen Dinge wie Wann wird denn endlich mal was aus dir. Und das tut schon ziemlich weh«, gab Leo zu bedenken.

»Aber ob dir ihre Meinungen und Aussagen wirklich wichtig sind, das kannst du selbst entscheiden. Wenn jemand so mit mir umgehen würde, würde ich davon ausgehen, dass ihm nichts an mir und meinem Wesen liegt. Dann würde ich mich aber auch nicht mehr über seine Aussagen aufregen, oder sie mir nahe gehen lassen«, schloss Jonatann.

»Das klingt nach einer sehr gesunden und vernünftigen Einstellung«, bekräftigte Leo seinen Freund und begann mit der Zubereitung des ersten Teiges.

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