Vierzehnter Dezember

Leo blickte die Taube entzückt an, war aber nicht in der Lage zu antworten. Der Brief hatte ihn ergriffen, drückte er doch genau das aus, was er sagen wollte. Und nun durfte er diese Worte auf diese weiblich sanfte Art ausgedrückt hören.

»Naja, liebreizende Taube? Das ist wohl ein bisschen dick aufgetragen, oder?«, überlegte Jonatann mit tiefen Denkfalten.

Plötzlich erhellte sich sein Gesicht und er schob den Stern energisch aus seinem Gesicht.

»Aber der Rest ist wunderschön. Das hast du toll gesagt«, rief er aus und stieß Leo freundschaftlich mit einem Zweig an, »oder nicht? Hast du alles notiert?«

Leo erwachte aus seiner Starre und kramte schnell ein Blatt und seinen Stift herbei.

»Ohje, nein«, bemerkte er stammelnd, »ach du meine..., kannst du das nochmal wiederholen Babette?«

»Was denn? Isch 'abe doch gar nischts gesagt«, gab diese zur Antwort und blickte Leo fragend an, dem die Farbe aus dem Gesicht wich.

»Alles gut. Okay. Kein Problem. Jetzt muss ich mich konzentrieren, damit ich das noch einigermaßen zusammen kriege«, murmelte er und versuchte sich an einer Niederschrift, doch scheiterte er schon beim ersten Wort kläglich.

Hilfesuchend blickte er seine beiden ungewöhnlichen Freunde an. Jonatann deutete ein Achselzucken an und schüttelte den Kopf, wobei der Stern heftig hüpfte. Leo hätte lachen müssen, so putzig sah das aus, wenn er nicht gerade mit Problemen zu kämpfen hatte, die er nicht zu lösen im Stande war. Da ließ die Taube ein gurrendes Lachen erklingen. Leo begriff nicht und schaute sie verdattert an, was Babette nur noch mehr zum Lachen brachte.

»Weißt du Leo, isch 'abe ein wunderbares Gedäschtnis. Isch erinnere misch an jedes einzelne Wort. Isch wollte nur sehen, wie du darauf reagierst und es ist köstlisch. C'est drôle!«, stieß sie zwischen Lachern hervor und lachte nur um so mehr, je dümmlicher der junge Mann aus der Wäsche schaute.

»Du hast mich veräppelt?«, fasste er leicht begriffstutzig zusammen und sah der Taube ungläubig beim Lachen zu.

»Oui, bien sûr«, stieß diese hervor und lachte herzhaft weiter, »du solltest dein Geischt sehen. Das ist zu witzisch.«

Jonatann blickte Leo ins Gesicht und versuchte sich ihm zuliebe das Lachen zu verkneifen, doch es klappte nicht. Er verfiel in ein dröhnendes Lachen und sein Stern hüpfte wild auf und ab. Allmählich kam auch wieder Leben in Leo und er blickte die beiden an, als würde er aus einem langen Traum erwachen. Doch es hielt nicht lange, da stimmte er in das Lachen mit ein.

»Oh man, Babette. Jag mir doch nicht so einen Schrecken ein«, brachte er mühsam hervor und wischte sich eine Träne aus dem Auge.

Der Bauch und die Wangenmuskeln taten ihm vom Lachen weh.

»Bien, das war vielleicht nischt in Ordnung von mir, aber isch konnte nischt widerstehen«, erklärte die Vogeldame und räusperte sich, »allors, 'ast du etwas zu schreiben? Bien. Dann diktiere isch dir nun den Brief.«

Sie wiederholte ihre Worte so oft, bis Leo den ganzen Text zu Papier gebracht hatte. Er laß ihn nochmals vor und nickte zufrieden.

»Nur das mit der liebreizenden Taube, ich glaube das ändern wir noch ein wenig«, sagte er und blickte Babette nachdenklich an, »wie könnte ich dich am besten beschreiben?«

»Was ist an liebreizend auszusetzen? Bin isch das etwa nischt?«, fragte sie herausfordernd und diesmal begann Leo zu lachen.

»Ich wollte auch nur einen Scherz machen, du Witzbold«, erklärte er und beließ es bei der Bezeichnung im Brief.

© Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten. 

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.